Max-Dauthendey-Gesellschaft_Nachwort
24 Frankenland 4 • 2015 kunst Im 81. Jahr ihres Bestehens hat sich die Max Dauthendey-Gesellschaft, Würzburgs älteste literarische Verei- nigung, aufgelöst. Das nachfolgende knappe vereinsgeschichtliche Resü- mee verdeutlicht abschließend noch einmal Leben und Werk des Dichters Max Dauthendey sowie das jahr- zehntelange ehrenamtliche Bemühen der Verantwortlichen der Gesellschaft um dessen bleibendes Andenken. Das Leben Max Dauthendeys verlief aben- teuerlich, zuweilen grotesk, keineswegs herkömmlich. Für viele seiner Zeitgenos- sen und für manchen heutigen Leser sei- ner veröffentlichten Tagebucheintragun- gen und Briefe war es alles andere als be- neidenswert. Sein unstetes, erschreckend notvolles und doch an inneren Bildern so reiches Leben stellt sich uns in Kurzform so dar: Max Dauthendey wurde am 25. Juli 1867 in Würzburg geboren. Erst drei Jah- re zuvor war sein Vater, Carl Albert Dau- thendey, der erste deutsche Lichtbildner, von St. Petersburg nach Würzburg über- siedelt. Nach mehrjähriger ungeliebter Tätigkeit im Photoatelier des Vaters ver- zichtete er, vierundzwanzigjährig, auf eine sichere Zukunft im väterlichen Gewerbe und versuchte sein Glück als Maler und Dichter in Berlin, München und Paris. Weite Reisen führten ihn nach Skandina- vien, Italien, Griechenland und Mexiko. Heimweh und Fernweh sowie die Hoff- nung auf immer neue Eindrücke für seine empfindsame Dichterseele bestimmten jeweils Richtung und Ziel seiner zahlrei- chen Ortswechsel. Der ersten Weltreise von 1906 folgten kreative Jahre. Damals entstanden die meisten seiner überdau- ernden Werke. Trotz literarischen Erfol- ges blieb Max Dauthendey immer ein ‚armer Poet‘. Den Südseeinseln galt sein Sehnen von Jugend auf. Sie waren das Ziel des Auf- bruchs zur zweiten Weltreise im Frühjahr 1914. Von ihr versprach er sich – im mitt- leren Lebensalter stehend – reichsten Er- fahrungs- und Erlebensschatz. Geworden ist sie ihm ‚zur Reise ohne Wiederkehr‘. Nach vierjährigem Zwangsexil in Medan (Sumatra), Garoet, Soerabaia, Malang und Tosari (Java) starb der Heimwehkranke an Malaria und verzehrender Sehnsucht am 29. August 1918, kurz vor dem Ende des ersten großen Krieges des 20. Jahrhun- derts. Bereits sieben Jahre später, 1925, er- schienen im Albert-Langen-Verlag, Mün- chen, die „Gesammelten Werke“ des Dich- ters in sechs Bänden. Dr. Michael Geb- hard veröffentlichte nur zwei Jahre da- nach in den bekannten „Lebensläufen aus Franken“ eine erste wissenschaftliche Dar- stellung des Autors. 1928 gedachte „Der Kreis der Jüngeren“ in der Anthologie „Das Fränkische Buch“ des frühverstor- benen Landsmannes und brachte neben dem Text die Abbildung eines Ölporträts, das die Würzburger Malerin Gertraud Rostosky, die Max Dauthendey ein Leben lang freundschaftlich verbunden war, von ihm gemalt hatte. Walter Roßdeutscher DIE MAX DAUTHENDEY-GESELLSCHAFT NIMMT ABSCHIED: Nachwort für Freunde und Sympathisanten
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